3D-Druck: Es geht auch nützlich

Wie ich meinen 3D Drucker tatsächlich für nützliche Gegenstände benutze, obwohl die Hersteller suggerieren, dass man damit nur Plastikspielzeug drucken kann.

 

Seit 2 Monaten habe ich einen 3D-Drucker. Es ist ein Up! Mini, so ziemlich das kleinste verfügbare Gerät. 425€ habe ich dafür im Tchibo-Online-Shop (skuril, oder?) bezahlt. Und das Teil ist ein tolles Spielzeug für einen Bastler, auch wenn die Druckgröße mit 12x12x12cm vergleichsweise klein ist.

Nun kenne ich 3D-Drucker arbeitsbedingt schon eine ganze Weile. Ich habe sie zwar meist nicht selber bedient, aber ich habe mehrfach Videos über sie gemacht. Als Beispiele dienen den Herstellern meist kleine Figuren, die vom Nutzwert ungefähr mit Überraschungsei-Spielzeug zu vergleichen sind. Ein kleiner Wachturm zum Beispiel oder Schachfiguren. Die Hersteller suggerieren so ein Bild vom 3D-Drucker als Plastikmüll-Kopiergerät. Schade, denn die Dinger sind wirklich praktisch! Erst wenn man sich Fachliteratur bedient, in den einschlägigen Foren unterwegs ist oder auf Messen wie die Euromold fährt, bekommt man auch nützliches gezeigt. Kein Wunder, sind doch auf der Euromold Drucker für den industriellen Einsatz zu bewundern, viele 10.000€ teuer, die mit Lasern in flüssiges Kunstharz drucken, metergroße Bauräume haben oder sogar Metalle drucken können.

Aber zurück zu meinem Heimdrucker: Mein Up! Mini druckt ausschließlich mit Kunstoff. ABS und PLA kauft man auf einer Rolle, das Kilo zu etwa 20€. Ich bevorzuge PLA, weil das weniger giftig riecht. Aus der ersten Rolle ist – oh Wunder – Plastikspielzeug geworden. Es hat eine Weile gedauert den 3D-Drucker als zur Verfügung stehende Option im Kopf zu haben. Inzwischen drucke ich aber fast ausschließlich „nützliche“ Sachen. Heute war das ein Adapter von Manfrotto-Stativplatten auf eine GoPro Hero 3.

Eigentlich hängt die Filamentrolle auf der Rückseite des Druckers. Weil das aber gelegentlich hakt habe ich die Rolle am Regal befestigt, direkt über dem Drucker.

Der Up! Mini auf meinem Basteltisch. Auf der blauen Blattform im Inneren wird das Modell aufgebaut. Darüber hängt der Druckkopf, der das Modell aus flüssigem Kunststoff Schicht für Schicht aufbaut.

Für Zeitrafferaufnahmen nutze ich gerne eine GoPro. Die Dinger haben einen eingebauten Serienbildmodus und reichen von der Bildqualität völlig aus. Allerdings will ich die GoPro dazu natürlich nicht auf einem Helm montieren sondern auf einem normalen Stativ. Kauft man eine Manfrotto Stativplatte wie ich sie nutze, einen Frame für die GoPro und den entsprechenden Adapter um beides zu verbinden belaufen sich die Kosten zusammen auf etwa 60€. Das geht günstiger.

Mit einem 3D-Drucker kann man plötzlich nicht mehr nur virtuelle Informationen aus dem Netz saugen, sondern indirekt auch Gegenstände. Man lädt einfach die entsprechenden Druckdaten herunter. In diesem Fall habe ich drei Dateien von Thingiverse.com als Grundlage genommen:

 

Die modifizierte Stativplatte mit aufgesetztem GoPro-Mount.

Die modifizierte Stativplatte mit aufgesetztem GoPro-Mount in Sketchup.

Da die Dateien im Format STL vorliegen, kann man diese in Sketchup importieren. Dort habe ich dann die 501PL Stativplatte und den Adapter für das GoPro-System zu einer Datei verschmolzen und ein wenig modifiziert – die Aussparung in der Stativplatte für die Schraube brauche ich schließlich nicht mehr. Anschließend wird die Datei mit einem Plugin wieder als STL exportiert. Den Frame habe ich gelassen wie er ist. Danach geht es in der Drucksoftware des Up! Mini weiter. Ich habe eine Schichtdicke von 0,3mm gewählt. Die feinste Auflösung 0,2mm braucht man bei diesen wenig filigranen Teilen nicht.

Der Up! Mini hat für die Adapterplattendatei knapp zwei Stunden gebraucht. Der Frame für die GoPro war nach 45 Minuten fertig. Zusammen habe ich etwa 3 Stunden gebraucht, inklusive modifizieren der Dateien.

Die fertig gedruckten Teile mit montierter GoPro. Der Farbunterschied hat keinen Sinn, das hat sich einfach so ergeben.

Die fertig gedruckten Teile mit montierter GoPro. Der Farbunterschied hat keinen Sinn, das fand ich nur irgendwie schick.

So schaut das ganze aus, wenn man es in das Stativ steckt. So ein großes Stativ für eine Actioncam sieht zugegebenermaßen etwas merkwürdig aus. Funktioniert aber super und passt perfekt!

So schaut das ganze aus, wenn man es in das Stativ steckt. So ein großes Stativ für eine Actioncam sieht zugegebenermaßen etwas merkwürdig aus. Funktioniert aber super und passt perfekt!

Die Druckkosten belaufen sich zusammen auf ca 2€. Rechnet man jetzt den Zeitaufwand dagegen, rechnet sich das vermutlich nicht mehr. Dafür macht es aber mehr Spaß, und da ich den Samstag Abend eh am Basteltisch verbracht hätte: ¯\_(ツ)_/¯

Außerdem kann man die Teile so drucken, wie sie für einen selbst am praktischsten sind, oder Sachen drucken die es so gar nicht zu kaufen gibt. Vielleicht mache ich dazu mal ein Sketchup-Tutorial …

jom

Johannes ist Kameramann, Cutter und Sprecher. Er schreibt über Fotografie, Modellbau, Videotechnik, Kajak fahren und vieles weitere.

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