Pappenspiel #1: Die Anfänge

Diese seltsamen Blicke.

Dieses zaghaft-angewiderte „Ach…?“

Dieses „Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber du bist ja wohl ein echt trauriger Freak“-Gesicht.


Sobald ich erwähne, dass Brettspiele zu meinen liebsten Freizeitbeschäftigungen zählen, muss ich mit derartigen Reaktionen rechnen. Damit komme ich klar…

Ich weiß, dass die meisten Menschen bei dem Wort „Spieleabend“ an dröge Zusammenkünfte langweiliger Mittdreißiger denken müssen. An Salzstangen und Trivial Pursuit. Ungefähr so aufregend wie ein Dia-Abend bei Tante Elke oder eine Probe des Männergesangsvereins.

Ich verstehe absolut jeden der keine Lust mehr hat auf „Tabu“, „Pictionary“, „Die Siedler von Catan“ und all diese Spiele die dem OttoNormalNichtspieler zuerst einfallen, sollte ihn jemand danach fragen.

Sie alle haben zwar ihre Berechtigung  und durchaus ihren Reiz (wo wäre die Spieleszene schließlich ohne „Catan“?). Ich allerdings habe vor einigen Jahren Blut geleckt und brauche mehr:

Das Spiel hieß „Der eiserne Thron“ und mein Freund Nico hatte es sich angeschafft weil ihn die Thematik interessierte und er die zugrunde liegenden Bücher von George R.R. Martin ohnehin schon lange lesen wollte (Heutzutage einer weitläufigeren TV-Fangemeinde unter dem Namen „Game of Thrones“ bekannt).

Wir trafen uns also recht unbedarft um dieses Spiel zu testen. Es sei wohl so etwas wie „Risiko für Große“ sagte jemand.

Um es kurz zu sagen: Es war fantastisch und rückblickend wohl der Auslöser meiner Spielleidenschaft.

Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines Königshauses auf einem fiktiven Kontinent und befehligt seine Einheiten auf der großen Landkarte. So weit – so altbekannt. Allerdings geben a) alle Spieler ihre jeweiligen Befehle verdeckt und gleichzeitig. Was bedeutet, dass man sich b) darauf verlassen muss, dass eventuelle Absprachen mit den direkten Nachbarn eingehalten werden. Denn man hat c) IMMER zuwenige Einheiten um an zwei Fronten gleichzeitig zu kämpfen und muss sich deshalb oftmals d) auf sehr riskante Bündnisse einlassen, von denen alle am Tisch wissen, dass sie höchstens eine Runde Bestand haben werden.

Was dann passiert, passiert nicht mehr auf dem Brett, es wird zum Metaspiel:

„Ich brauche unbedingt dieses Gebiet. Allerdings komme ich gegen Axel nicht an. Villeicht hilft mir Nico wenn ich um Unterstützung bitte? War Axel nicht eben mit Marc vor der Tür?… die haben bestimmt ein Abkommen geschlossen. Allerdings kann Nico mir ja viel erzählen. Er schlägt sich im Gefechtsfall bestimmt eh auf Axels Seite… und Nils vertraue ich schon garnicht, der spielt sowieso unberechenbar…“

Herrlich.

Zugegeben, unsere ersten Runden liefen noch nicht ganz so intrigant/diplomatisch ab, waren aber dennoch eine, ich muss es leider so nennen, Offenbarung.

Das war nicht mehr „Mensch ärgere dich nicht“ oder „Sagaland“, das war nicht mal mehr „Carcassonne“ oder „Alhambra“, das war etwas größeres und ich war auf dem besten Weg abhängig zu werden. Ich hatte ja keine Ahnung was man mit Pappe, Würfeln, Karten und Holz so alles anstellen konnte.

Doch davon später mehr…

 

law

Lars ist eigentlich Ehemann und Vater, arbeitet aber als Mediengestalter. Er schreibt über Gesellschaftsspiele, Musik und Filme. Außerdem zeichnet er Cartoons.

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