Pappenspiel #2: Coop mode

Wenn man sich vor, sagen wir, 20 Jahren zusammensetzte um etwas zu spielen, endete es meistens damit, dass jemand gewann (oder, im Fall von Jenga, jemand verlor).

Heute gibt es eine weitere Möglichkeit: Alle gewinnen gemeinsam! (resp. versagen gemeinsam kläglich…)

Die Rede ist von kooperativen Brettspielen.


 

Ich sehe es in Euren fragenden Gesichtern: „Kann das gutgehen?“ „Das soll Spaß machen?“ oder „Du redest schon wieder nur über Spiele, du Hirni!“

Lasst mich Euch einige Titel vorstellen, dann könnt ihr selbst entscheiden ob ihr einen zweiten Blick wagt.

 

Beginnen wir mit dem Spiel des Jahres 2013: Hanabi.

9807183986_3a921a9d8c_o(#hanabi von toastergram)

Es wartet mit einer Idee aus der Kategorie „Warum ist mir das nicht eingefallen“ auf: Man hält seine Karten verkehrt herum!

Das heißt alle am Tisch außer mir kennen mein Blatt und ich bin auf Hinweise der Mitspieler angewiesen. Es gilt gemeinsam von jeder der fünf Farben eine aufsteigende Reihe von 1-5 auszulegen. Reichlich schwierig aber unfassbar unterhaltsam.

(Von Autor Antoine Bauza ist außerdem 7 Wonders sehr zu empfehlen, aber das gehört hier eigentlich nicht hin, es wird nämlich gegeneinander gespielt.)


 

Oder wolltet ihr schon immer mal die ganze Welt retten? Dann lege ich euch Pandemie ans Herz:

11446687784_6f3a00bf28_z(Pandemic von Rukla13)

4 mysteriöse Krankheiten drohen die Menschheit auszurotten und die Spieler schlüpfen in die Rollen eines Spezialistenteams um genau das zu verhindern. Forscher, Ärzte, Quarantäneexperten, Logistiker etc. Alle mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet.

Epidemien, Ausbrüche von Krankheitsfällen und immer neue Infizierte sind an der Tagesordnung. Man reist also um die ganze Welt, behandelt Patienten, nimmt Proben, tauscht sich mit den anderen Experten aus und errichtet Forschungszentren.

Vielleicht gibt es ja doch Hoffnung alle vier Gegenmittel zu finden.

Wer Spaß an dramatischen Jerry-Bruckheimer-Dialogen hat, wie:

„Ok, wir haben viel zu viele Infizierte in Karachi. Wenn es da zu einem Ausbruch kommt haben wir ein ECHTES Problem. Die Kettenreaktion würde bis nach Paris reichen. Kann also bitte irgendjemand SOFORT nach Karachi fliegen?!“

sollte ernsthaft erwägen sich dieses Spiel anzuschaffen.


 

Space Alert ist nicht nur kooperativ, es ist außerdem auch noch lächerlich hektisch. Was maßgeblich daran liegt, dass es in Echtzeit abläuft.

15948730359_0a14327b14_z(Space Alert 1 von Yoppy)

Wir stehen als Besatzung auf der Brücke eines (irgendwie unvertrauenswürdig klapprigen) Raumschiffes, atmen noch einmal tief durch und drücken dann auf PLAY.

Dem Spiel liegt nämlich eine CD bei, die die nächsten 10 Minuten lang laufen und Ansagen des Bordcomputers von sich geben wird. „Zeit T + 2, Bedrohung in Zone Rot“ oder „Kommunikationssystem ausgefallen“. Die Spieler „programmieren“ nun mit Hilfe ihrer Handkarten das Handeln ihrer Figur. Bewegen sich in die verschiedenen Sektoren des Schiffs, betätigen die Waffensysteme, sorgen für ausreichend Energie im Hauptreaktor (und den beiden Nebenreaktoren), leiten Energie in die Schilde etc. Von Zeit zu Zeit muss außerdem mal jemand die Maus am Bordcomputer bewegen, da sonst der Bildschirmschoner anspringt und alle wertvolle Zeit verlieren. Nach diesen sehr hektischen 10 Minuten, ebenfalls voller „Bruckheimer-Dialoge“ á la:

„Ich brauche mehr Energie auf den linken Schilden! Kann jemand den linken Reaktor aufladen?“

„Das dauert noch. Wir haben keine Energie mehr im Hauptreaktor! Bin dran.“

„Dann mach hin! Die linken Laser haben auch keinen Saft mehr und diese Jäger kommen verdammt schnell näher!“

wird ganz in Ruhe geschaut ob all die Pläne der Spieler tatsächlich aufgehen, oder ob das obligatorisch-pathetische „WIR WERDEN ALLE STERBEN!!“ zu Spielbeginn tatsächlich der Wahrheit entsprach.

Ersonnen hat dieses panische Meisterwerk, der „verrückte Tscheche“ Vlaada Chvátil von dem an dieser Stelle bestimmt noch öfter zu hören sein wird.


 

Zu guter Letzt der „Helge Schneider“ unter den Brettspielen.

Arkham Horror. Liebe oder hasse es. Dazwischen gibt es nichts…

5825612027_fa6c4a83d5_z(162/365 F  von Joseph Nicolia)

Wir spielen eine Gruppe von Ermittlern die unerklärlichen Phänomen in der neuenglischen Kleinstadt Arkham im Staate Massachusetts nachgeht.

Jeder Spieler wählt eine der Rollen aus dem großen Fundus wie Bibliothekarin, Landstreicher, Arzt, Zeitungsfotograf etc., bekommt seine Startausstattung, wie Bargeld, Waffen oder sogar Zauber in die Hand gedrückt und zieht los um die seltsamen Dimensionstore und Monster die überall in der Stadt auftauchen zu untersuchen resp. zu bekämpfen.

Das Thema ist bestimmt nicht jedermans Sache, basiert es doch auf den Geschichten von H.P. Lovecraft.

Man begnet also den wildesten Kreaturen und versucht nicht wahnsinnig zu werden oder zu sterben (Es gibt Lebenspunkte UND Geistige Gesundheitspunkte), reist in die bizarrsten Dimensionen und erlebt kurz gesagt allerhand Unschönes.

Eigentlich spielt man Arkham Horror nicht wirklich, es stößt einem zu.

Man hat nie das Gefühl alles im Griff zu haben.

Außerdem kann es schonmal 5-6 Stunden dauern.
Ich verstehe also alle die es hassen.
Ich liebe es.


Wenn Ihr jetzt Lust habt an einem Spieleabend teilzunehmen, habe ich mein Ziel schon erreicht.

Play more Games!


law

Lars ist eigentlich Ehemann und Vater, arbeitet aber als Mediengestalter. Er schreibt über Gesellschaftsspiele, Musik und Filme. Außerdem zeichnet er Cartoons.

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