Tanzen zu Architektur

Ich weiß, über Musik zu schreiben ist ähnlich zwecklos. Aber lasst mich Euch von fünf Männern erzählen, die mir sehr am Herzen liegen. Warum der Großteil der Menschheit noch nicht von ihnen gehört hat, ist mir unklar. Hier mein bescheidener Beitrag, ihren Ruhm zu steigern.

Beginnen wir mit Glen Hansard:

Der Mann ist Ire und singt und spielt sich wahrlich die Seele aus dem Leib. Und all das (wenige) was seine Lieder nicht ausdrücken können, erzählt der Zustand seiner Gitarre. Seht selbst:

 

Wenn er nicht solo unterwegs ist, singt und spielt er für „The Frames“. Ein anderes Projekt war vor einiger Zeit „The Swell Season“ zusammen mit Markéta Irglová. Beide spielten außerdem die Hauptrollen im Musikfilm „Once“ für den Glen auch den Soundtrack schrieb und prompt den Oscar für den besten Song abgesahnte.

Ich habe ihn und seine Band (hauptsächlich Frames) vor einigen Jahren live gesehen und sage bis heute, daß es das beste Konzert meines Lebens war.

Eine Bühne voller Musiker. Nicht nur Leute die Instrumente bedienen können; Echte Musiker. Der Wahnsinn.

Ich habe Clapton und Santana gesehen. Ich habe die Foo Fighters und Pearl Jam gesehen. Aber noch nie hat mich jemand so umgehauen wie Glen Hansard


 

Wir bleiben in Irland und landen bei Damien Rice.

Ich kann mich bis heute nicht entscheiden, ob ich ihn sympathisch oder eher arrogant finden soll. Entziehen kann ich mich ihm jedenfalls nicht:

 

Gerade wenn er, wie hier, mit Lisa Hannigan zusammenarbeitet (was er leider nicht mehr tut) hat er bei allem Lärm oder sogar Kitsch immer eine hypnotische Art an sich.

Apropos Lisa Hannigan: Wie schafft es diese Frau wie die alte „Melanie – Ruby Tuesday“-Single meiner Eltern zu klingen?

(Sie war übrigens der Support Act bei besagtem Glen Hansard Konzert. Hatte ich gesagt wie super das war?)


 

Elliott Smith weilt tragischerweise nicht mehr unter uns. Er ist 2003 unter seltsamen Umständen ums Leben gekommen. Die geläufigste (und scheußlichste) Version hat etwas mit Selbstmord durch Messerstiche in die Brust zu tun…

Alkohol, Depressionen, Drogen. Ein Jammer…

Dabei hatte seine Musik immer etwas zartes, beihnahe tröstliches.

Zu folgendem Lied haben meine Frau und ich auf unserer Hochzeit getanzt:

 

„I never gonna know you now, but I´m gonna love you anyhow…“


 

Nick Drake hat ein ähnlich trauriges Ende genommen. Er starb 1974 an einer Überdosis Antidepressiva.

Ich hatte seine Musik schon mindestens fünf Jahre gehört und gemocht bis ich erfahren musste, dass er keineswegs ein mopsfideler aufstrebender Songwriter war, sondern schon Jahre vor meiner Geburt starb. Mit 26.

 

Übrigens befindet sich auf dem hervorragenden Soundtrack des noch hervorragenderen Film „The Royal Tenenbaums“ von Wes Anderson je ein Stück von Elliott Smith und Nick Drake.

Dringende Kaufempfehlung!


 

Die gute Nachricht vorweg: Jeremy Enigk lebt noch.

Er kommt aus Seattle und war/ist seit den 90ern der Frontmann der Emo-Vorreiter Sunny Day Real Estate (deren Bassist Nate Mendel heute bei den Foo Fighters ist und deren Drummer William Goldsmith es mal war. Der Sänger der Foo Fighters übrigens, Dave Grohl, war damals Drummer einer anderen kleinen Band aus Seattle, aber das wisst ihr sicher.)

Zurück zu Mr Enigk (gesprochen: „Ihnick“):

Ich begenete seiner Musik ungefähr im Jahr 1999. Ein Schulfreund und ich vertrieben uns die Mittagspause bei ihm zu Hause (er wohnte neben der Schule). Er hatte eine gebrannte Kopie des, ansonsten schwer zu bekommenden, Soloalbums „Return of the Frog Queen“ (wie sollte man denn 1999 an echte Import-CDs kommen? Internet?! Höchstens bei WOM in Hannover aber das war ja eine Weltreise entfernt.) und bestand darauf es mir vorzuspielen:

 

Ich war baff. Und nicht nur weil mich zum ersten Mal jemand eindringlich darum gebeten hatte eine CD mit ihm zu hören (hierfür nochmal 1000 Dank, Niclas).

 


law

Lars ist eigentlich Ehemann und Vater, arbeitet aber als Mediengestalter. Er schreibt über Gesellschaftsspiele, Musik und Filme. Außerdem zeichnet er Cartoons.

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